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Chronik der Stadt Bad Frankenhausen |
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Aus einer Urkunde Otto III. geht hervor, dass aus Reichsbesitz dem Klosters Memleben zwei Siedestellen von Frankenhausen und die gesamte Stadt Wiehe geschenkt wurden. Mit dieser Nennung der Stadt konnte, neben Fälschungen, bis heute kein früherer schriftlicher Nachweis gefunden werden.
 Die Stadt Bad Frankenhausen liegt in der „Diamantenen Aue“, am Südhang des kleinen Kyffhäusergebirges. Fruchtbare Böden hatten eine frühe Ansiedlung zu Folge. Seit dem Mesolithikum veränderten Viehhaltung und Ackerbau unsere Umwelt, aber auch die Lebensbedingungen unserer Vorfahren. Besonders im 2. und 3. Jh. wanderten vor allem Sachsen und Franken in unser Gebiet ein. Die Ansiedlung der Franken erfolgte in Nähe der Salzquellen, im Bereich der alten Oberstadt. Und der Hausmannsturm, als fränkischer Bau, ist das weithin sichtbare Relikt. „Haus“ bedeutet im fränkischen „Herrensitz, Herrenhaus, Wohnen“. Und so sind sowohl der Name der Stadt als auch der Hausmannsturm als die alte ehemalige Oberburg Hinweise auf die fränkische Besiedlung. Zahlreiches interessantes und auch seltenes Fundgut in der Stadt und außerhalb sind der Nachweis für intensive fränkische Siedeltätigkeit.
 Im heutigen Stadtgebiet herrschten im 12. Jh. die Grafen von Rothenburg, dann die Grafen von Beichlingen. 1339 wurde die Stadt an die Schwarzburg verpfändet, 1340 von Graf Günther XXI. und Heinrich XII. von Schwarzburg gekauft. 1349 starb Günter XXI., und sein Sohn Heinrich XVIII. übernahm die Regentschaft.
 Die Salzquellen, Salzproduktion und der Handel bewirkten eine rasche Stadtentwicklung. Zwischen den alten Siedlungskernen in der Oberstadt und Unterstadt entwickelte sich im 13 Jh. das heutige Stadtzentrum. Die Altstadt bleibt in der Entwicklung immer isoliert und wurde erst 1890 eingemeindet.
 1219 wird die Stadt als „oppidium“ bezeichnet. Damit ist eine mit Stadtmauer versehene Stadt gemeint. 1282 wird von „civitas“ gesprochen, von der Stadt, die eine Bürgerschaft besaß und damit auch das Bürgerrecht. Es ist davon auszugehen, das Frankenhausen in der 1. Hälfte des 13. Jh. im Rechtssinne eine Stadt war. Bereits 1229 wird eine Münzstätte genannt.
 Bemerkenswerte Bauwerke der Stadt stellen die Altstädter Kirche St. Petri(um 1000), die Oberkirche „unserer lieben Frauen“(1382), die Unterkirche(1696), das Rathaus(1444) und das Schloß(1533) dar, die jeweils noch ältere Vorgängerbauten hatten, die auch in den Fundamenten nachweisbar sind. Im Stadtbild fallen weiterhin die ehemalige Angerapotheke(1493) und die Schwanendrogerie(1555) auf. Der Hausmannsturm, als ältestes Bauwerk, zeigt sich noch heute als eine rechteckige Anlage mit Palas und Bergfried und war in die Stadtmauer einbezogen. Ihm waren Wach- und Schutzfunktionen übertragen worden. Die Burgvögte erhielten für den Schutz des Salzwerkes eine relativ große Menge Salz. Außerdem gehörten zur Oberburg auch Grundbesitz, Gerichtsbarkeit und weitere Einkünfte. Ab 1700 befand sich der Hausmannsturm in städtischem Besitz. In den Jahrhunderten danach zerfiel er mehr und mehr. Ab 1982 befand sich der Hausmannsturm in der Obhut des ADMV, heute des Motorsportclubs e.V. im ADAC. Durch den frühen Salzverkauf war die Stadt in die Handelstätigkeit eingebunden, und der Handel brachte Reichtum und Fortschritt auf allen Gebieten. Die Besitzer des Solgutes, die Pfänner, standen der Zunft der Salzsieder vor. Sie stellten oft die Bürgermeister und beeinflussten das Stadtgeschehen maßgeblich. Die Frankenhäuser Saline gehörte zu den bedeutendsten mittelalterlichen Salinen im damaligen thüringischen und hessischen Raum. Herausragende Persönlichkeiten machten zudem die Salinen bekannt. Der Frankenhäuser Ratskämmerer und Pfannherr Johann Thölde verfasste 1603 die „Halographia“, eine Übersicht über die damals bekannten Salzwerke und die Beschreibung der Salzgewinnung. Dieses Werk ist das erste Buch in Deutschland, das die Technik der Siedesalzgewinnung beschreibt. Johann Augustin Kober verfasste 1753 das „Frankenhäußer Salzwercks Lexicon“, das nach Thölde die wichtigsten Begriffe aus dem Salinenwesen zusammenfasste und erklärte.
 Zahlreiche Stadtbrände vernichteten in allen Jahrhunderten große Stadtteile. Durch notwendiges schnelles Wiederaufbauen und oft fehlende Gelder erhielten die Häuser nicht mehr ihre ursprüngliche Schönheit, und so finden wir heute im Marktbereich und am Anger leider kaum noch Renaissance-Fassaden, die den einstigen Reichtum der Stadt zeigen könnten. Das Leben der mittelalterlichen Stadt können wir nur erahnen. Und selbst das 19. Jh. erscheint uns unendlich fern. Das Salzsieden, der Verkauf und Handel prägten die Stadt über Jahrhunderte, der Handel stärkte das Selbstbewusstsein der Bürger. Vom Salz lebten nicht nur die Schwarzburger Grafen, die zeitweise sogar ihren Wohnsitz in Frankenhausen nahmen, sondern auch die Ackerbürger, die Krämer, Seiler, Schwarzfärber, Lohgerber, die Pfannen-, Nagel- und Hufschmiede, die Burgvögte und Burgmannen, die Gastwirte, Pfarrer, Lehrer, Kammerherren und Salinenarbeiter.
 In Deutschland gab es im 16. Jh. über 50 Salinen. Die Konkurrenz blieb natürlich auch für Frankenhausen nicht ohne Einfluss. Im 19. Jh. nutzte man die Salzquellen mehr und mehr für die Heilung. Bekannt war, dass salzhaltige Meeresluft die Gesundheit förderte. Durch Hufeland an der Nordsee beobachtet, in mehreren Bädern mit salzhaltigen Quellen ebenfalls genutzt und durch den Frankenhäuser Arzt Dr. A.W.G. Manniske hier angewendet. Nachdem von Dr. Manniske 1799 das erst Krankenhaus gegründet wurde, stellte die Pfännerschaft auf sein Anraten 1808 die ersten Badewannen auf. 1818 reisten die ersten Badegäste in das neu eröffnete Kurbad. Um 1820 weilte bereits Ottilie von Goethe mit ihrer Schwester und dem zweijährigen Sohn Wolfgang zu einem mehrwöchigen Kuraufenthalt hier. Ottilie von Goethe, Schwiegertochter von Wolfgang von Goethe, lobte die Frankenhäuser Sole und deren Heilwirkung, aber auch das medizinische Können des Arztes Manniske. 1830 weilte Walter von Goetze als zwölfjähriges Kind zu einem Kuraufenthalt in Frankenhausen. Bis zur Jahrhundertwende entwickelte sich Frankenhausen zu einer blühenden Kurstadt. 1876 wurde durch das tatkräftige Wirken von Minna Hankel und großzügigen Geldgebern wie Wilhelm Schall die erste Kinderheilanstalt eröffnet. Aus dem Jahr 1701 stammt der erste Nachweis für die Herstellung von Knöpfen. Nach 1800 wurden bereits Knöpfe aus den unterschiedlichsten Materialien hergestellt. In zahlreichen, zunächst kleinen Familienbetrieben, wurden im vorigen Jahrhundert bis in unsere Zeit Knöpfe aus Perlmutter hergestellt. Nach 1900 lebten die Menschen in Bad Frankenhausen hauptsächlich vom Kurbetrieb, vom Salzverkauf, von verschiedenen Handwerken, von der Landwirtschaft und insbesondere von der Knopfherstellung. Gerbereien und Brauereien waren in Betrieb, viele betrieben nebenbei etwas Landwirtschaft, das Straßen- und Wegenetz wurde ausgebaut, die Eisenbahn eröffnete 1894 die erste Linie nach Bretleben und 1898 nach Sondershausen. 1864 wurde die Barbarossahöhle entdeckt. 1896 wurde das Kyffhäuserdenkmal eröffnet und das Kyffhäuser-Techikum gegründet. Damit kamen zunehmend junge Menschen und Touristen in die Stadt und ihre Umgebung. Ländliche Struktur und Ambiente waren längst durch den Charme einer kleinen Kurstadt abgelöst. In den zwanziger Jahren blühten die Knopfindustrie und das Kurwesen erneut auf. Selbst nach 1945 bildeten beide die größten Arbeitgeber, wobei sich die Entwicklung der Stadt durch die Gründung der DDR 1949 grundsätzlich veränderte. Nach 1950 entwickelte sich die Stadt zu einem anerkannten Badeort und dem größten Kinderkurort in der DDR. Ab 1949 wurden Unterkunft- und Behandlungsmöglichkeiten erweitert. Die Ausstattung der Heime und die Verpflegung waren zunächst mangelhaft und ermöglichten nur einen Kuraufenthalt der Kinder von 4 Wochen. Die Erwachsenen wurden fast ausschließlich in Privatquartieren untergebracht.
 Die Kinder wohnten in den schon sanierten Kinderkurheimen an der Wipper und dem ehemaligen Hedrichheim am Weinberg. Ab 1955 wurde das Volkssolbad von einem Chefarzt bzw. ärztlichen Direktor geleitet, der Kinderkur- und Erwachsenenbereich wurde zusammengelegt. Bis 1989 gab es 3 Kurheime, 1 Sanatorium und 2 Kindersanatorien. Jährlich wurden ca. 5.000 Erwachsenenkuren, ca. 3.000 Kinderkuren und bis zu 2.000 FDGB-Urlauber betreut. Die Stadt nahm an Einwohnern und Fläche zu. In den 60er Jahren entstand ein neues Wohngebiet westlich der Stadt, in den 70er und 80er Jahren schlossen sich die Plattenbausiedlungen bis zum heutigen „Tischplatt“ an. Durch ansteigende Geburtsrate und Vergrößerung der Betriebe wuchs die Einwohnerzahl auf rund 10.000. Die Knopfindustrie war in der DDR der größte Arbeitgeber in der Stadt. Die zu einem Kombinat zusammengeschlossenen Einzelbetriebe produzierten vorwiegend für die sozialistischen Länder. Erwerbsmöglichkeiten boten das Kur- und Badewesen, das Gaststättengewerbe, Handel und Versorgung, kleinere Betriebe im Dienstleistungsbereich, der VEB Stahlbau, Bau- und Elektrobetriebe, die beiden LPG`s (Landwirtschaftliche Produktions-Genossenschaft), der FDGB-Feriendienst(Freier-Deutscher-Gewerkschafts-Bund), eine Möbelfabrik, Schuhfabrik, Strickerei, Obst- und Gemüseverarbeitung und Garnison der NVA. Ab Mitte der 80er Jahre erweiterte der Zweckverband „Naherholung“ die Touristischen Möglichkeiten für die Stadt und Umgebung. 1973 erfolgte die Grundsteinlegung für das Panorama-Museum, 1989 die Eröffnung mit dem größten Rundgemälde der Welt von Prof. Werner Tübke. Nicht weniger Einwohner fuhren in die größeren Betriebe nach Artern, Sondershausen, Sangerhausen und Roßleben. Nach 1989 veränderte sich die Infrastruktur wesentlich. Die einstigen Betriebe gibt es nicht mehr. Knöpfe werden allerdings noch hergestellt, natürlich in modernen Betrieben und mit weit weniger Mitarbeitern. Das Kurmittelhaus „Barbarossagarten“, das neue Kurmittelhaus mit Erlebnisbereich und die Reha - Klinik der Deutschen Rentenversicherung erwarten ihre Gäste. In der Stadt gibt es zwei Grundschulen, eine Regelschule und ein Gymnasium, Kindergärten und ein Krankenhaus, welches den Namen des ersten Kurarztes „Dr. Manniske“ trägt. Am Stadtrand entstanden Gewerbegebiete. Um die Stadt herum wird auf den fruchtbaren Äckern immer noch Landwirtschaft betrieben. Allerdings sind die Ackerflächen kleiner geworden durch den Neubau von individuellen und farbenfreudigen Wohnsiedlungen. Eine umfangreiche Innenstadtsanierung verändert das Stadtbild. Der Tourist und Kurpatient kann in der Stadt und Region eine interessante Geschichte und Kultur und zahlreiche einmalige Naturschönheiten entdecken. Die neu gegründeten Vereine der Stadt helfen dabei, manche Attraktion zu schaffen, besinnen sich auf ihre Traditionen und bereichern damit die kulturelle Erlebniswelt der Kyffhäuserlandschaft und unsere Stadt.
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